Kulturelle Aneignung, eine Diskussion, welche von Grund auf falsch geführt wird!

Ein Essay von Lucie v. Steffien

Vorwort:


Mit diesem Essay übe ich Kritik an tagesaktuellen Themen, mit dem Ziel zum Denken anzuregen. Es ist weder mein Ziel einzelnen Personen noch Volksgruppen böse Absichten zu unterstellen.

Was ist kulturelle Aneignung?


Was ist kulturelle Aneignung? Die kulturelle Aneignung beschreibt ein Vorgang, ein Prozess, in welchem eine Gruppe an Menschen, Firmen, staatliche Institutionen oder Einzelpersonen, sich fremde Kulturen aneignet, um aus dieser wirtschaftlichen oder symbolischen Profit zu schlagen.


Geschichtliche Beispiele hierfür sind unter anderem der europäische Imperialismus zur Kolonialzeit, in welchen Europäer, afrikanische Volksstämme in große Stile versklavten und Ihre Kulturgüter in großen Menge nach Europa schipperten, wo sie dann in die Hände einzelner reicher Herren gelangten. Heute hunderte Jahre später sind diese noch immer in „Kultur Stiftungen“ und Museen zu finden. Dass diese eigentlich Diebesgut unserer Vorfahren ist und seit Jahren von jenen afrikanischen Ländern zurückverlangt wird, wird natürlich zu keinem Zeitpunkt erwähnt.
Dies ist eins der prominentesten Beispiele für kulturelle Aneignung, in welchen die eigene Mach Position ausgenutzt wurde, um Profit aus der Arbeit anderer ethnischen Volksgruppen zu schlagen, ohne diese jemals um Erlaubnis gefragt zu haben, geschweige sie an dem Gewinn beteiligt zu haben.

Der Kampfbegriff der „Kulturellen Aneignung“

Nun sprechen wir aber tagesaktuell nicht darüber, dass uns in den Sinn gekommen ist, denn Menschen in ehemaligen europäischen Kolonien ihre Kulturgüter zurückzugeben. Nein, die Diskussion dreht sich hierbei viel mehr darum, dass wir jetzt anfangen Menschen mit einer käsiger respektive helleren Pigmentierung das Recht abzusprechen bestimmte Kleidung oder Frisuren zu tragen, welche wir eigentlich eher mich Menschen anderer ethnischen Volksgruppen bzw. Pigmentierung wie den PoCs verbinden. Warum dies, bezogen auf Kleidung und Frisuren, allerdings vielmehr Rassismus fördert und wieder etabliert als ihn zu bekämpfen, möchte ich gerne erklären anhand des Beispieles „Dreadlocks“.

Vorab, was sind Dreadlocks (Filzlocken) und woher habe sie Ihren Ursprung. Die Filzlocken werden auch als die menschliche Ursprungsfrisur gehandelt, da diese bei Haare welche für längere Zeit weder gepflegt noch gekämmt werden auftreten unabhängig davon woher der Mensch stammt. Geschichtlich betrachten sind aber Dreads eine modische Erscheinung, welche in den unterschiedlichsten Zeitepochen überall auf der Welt auftretenden, prominente Beispiele hierfür sind religiöse Bezüge im Islam, bei den Azteken, im Hinduismus, bei den germanischen und keltischen Volksstämmen in Europa. Wenn wir aber heute von Dreads reden, beziehen wir uns eher auf die Modeerscheinung, welche mit Sub- und Pop-Kulturen einhergingen. In jenen Kulturen, welche meist durch den Einfluss von Politik und Musik geprägt wurden, war diese Frisur ein Ausdruck von Individualität und eine Form von Rebellion gegen traditionelle Konventionen und Einschränkungen. Beispiel hierfür sind die Unabhängigkeitsbewegungen der PoCs in Amerika oder in linken Bewegungen wie im Punk oder in der Hippiebewegung der 60er Jahre. Wie man also sieht haben „Die Dreads“ oder „Die Filzlocken“ weder den einen Besitzer noch den einen Ursprung.

Und doch, wird dies nun als Vorwand genommen, um Menschen auf der ganzen Welt, welche nicht zu den PoCs gehören, aber dennoch jene Frisur tragen, Rassismus und Diskriminierung zu attestieren. Die Argumente hierfür sich vielschichtig, das beliebteste Beispiel hierfür ist: „Hellhäutigen Menschen mit Dreads, würden oder hätten niemals die gleiche Ausgrenzung und den gleichen Rassismus erlebt wie die PoCs.“
Gut. Mann könnte, wenn man zynisch ist und auf Polemik stünde jetzt natürlich entgegnen, ob man den Rassismus von PoCs gegenüber hellhäutigen Menschen stärken müsse, damit diese es sich „Verdienen“ besagte Frisur zu tragen. Aber das ist nicht der Sinn der Sache.

Natürlich ist der Grundgedanke dahinter ein Nobler. Mann will die Kulturgüter unterdrückter Volksgruppen schützen und diesen somit auch eine Wertschätzung entgegnen und das ist auch richtig so. Aber die Art und Weise wie, dass nun versucht wird, führt zwangsläufig eher zu Rassismus, als dass es ihn bekämpft Warum? Nun, wenn wir anfangen strikt Kulturen eine bestimmte ethnische Volksgruppe zuzuordnen tun wir dies auch mit dem Faden Beigeschmack das wir Eigenschaften, aussehen und religiöse Zugehörigkeit, intuitiv an Hautfarben festmachen. Und das ist via Definition bereits Rassismus. Richard Schuberth, ein Kabarettist und Autor sagte dazu folgendes interessantes. Zitat: »wenn die Dreadlocks als Eigentum einer angeblich kollektiven schwarzen Identität gefasst werden. Die kulturelle Aneignung begann schon, als Jamaikaner den Hairstyle der Rastafaris übernahmen, und nichts anderes ist sie, wenn sich Nigerianer und Bewohner Harlems die Haare verfilzen lassen. Sobald wir Dreads aber bei Menschen dunkler Hautfarbe als irgendwie schlüssiger und ›arttypischer‹ empfinden als bei Menschen käsigerer Pigmentierung oder etwa bei einem Marokkaner als natürlicher als bei einer Portugiesin, dann ist unser Erkenntnisapparat nicht nur falsch verschraubt, sondern dann haben wir ein ganz, ganz schweres Rassismusproblem.«

Rassismus bekämpfen heißt zwangsläufig Kulturen kennenlernen und positive Dinge welche diese mit sich bringen auch für sich selbst anzueignen. Eigenschaften wie Nächstenliebe, Spiritualität, Kreativität, Gast-Freundschaft, können wir einander nicht beibringen, indem wir unsere Kulturen vor einander selektieren und trennen. Kultur ist etwas Lebendiges, etwas was atmet und sich stetig weiter entwickelt und nichts was man strickt zum Selbstschutze isolieren und nur einzelnen estnischen Volksgruppen zu spricht.

Ich hoffe, dass diese Worte Anklang finden und zum Denken anregen.

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